Menstruation - (k)ein Tabu Thema?!

09.07.2020

von Sara Kaschel - Stoffwindel- und Menstruationsberaterin

Ein Thema, das am liebsten todgeschwiegen wird, uns aber durchschnittlich 40 Jahre lang begleitet, ist die Menstruation. Die Wenigsten sprechen gerne darüber, wird uns doch seit Jahrhunderten erzählt, dass menstruierende Frauen unrein sind und die Menstruation an sich eine Schwäche ist. Die Hälfte der Weltbevölkerung menstruiert, das macht die Menstruation zu einem sehr wichtigen und doch präsenten Thema. 

Jeden Monat aufs Neue kaufen wir neue Hygieneprodukte und im schlimmsten Fall noch Medikamente, damit wir die Tage überstehen und uns nichts anmerken lassen. In der Pubertät stehen wir schon vor der Qual der Wahl und einem eventuell langen Weg der Findung. Bin ich im Team Tampon oder im Team Binde? Zumindest als es bei mir soweit war, gab es nicht viel mehr, das mir zugänglich war. Also probierte ich beides aus und wusste schnell für mich, dass ich zum Team Tampon gehöre, da war ich etwa 13. Wir entscheiden uns in jungen Jahren für eine "Richtung" und der bleiben die Meisten treu. Ob wir wirklich glücklich damit sind, ist ein anderes Thema. Erstmal geht es darum, das "leidige Thema" irgendwie schnell abzuhaken. Wir leben dann mit der Entscheidung und unser Bedürfnis ist befriedigt. Denn mehr gibt es doch nicht, oder?

Tatsächlich musste auch ich erst Mutter werden und meinen Blickwinkel ändern um zu sehen, wie viele Alternativen wir Frauen doch haben. Mit der Geburt unserer Tochter fing ich an, vieles zu hinterfragen, mir Gedanken zu machen, vor allem, was mein Kind angeht. Im Zuge dieses Prozesses, und weil ich ein sehr einschneidendes Erlebnis mit meinen Tampons hatte, habe ich angefangen, mich auch mit der Menstruationshygiene zu beschäftigen. Ich dachte mir, es muss doch eine Alternative zum Tampon geben. Jeden Monat brauchte ich etwa 30 Tampons und eine Ladung Slipeinlagen. Im Jahr sind das schnell 360 Tampon, die ich kaufe, benutze und dann in den Müll werfe. Wie die meisten von uns, habe ich mir wenig Gedanken gemacht, bis mir diese Zahl bewusst wurde. 360 Wegwerfartikel plus der Verpackungsmüll. Ich machte also den Test mit einer dieser neuartigen Menstruationstassen, und war ordentlich skeptisch, wenn ich ehrlich bin. 

Ja, der Anfang ist schwer, die Handhabung ist anders und vertrauen muss man den Menstruationstassen auch erstmal, aber es funktionierte bei mir sehr gut. Als doppelten Boden habe ich am Anfang noch Slipeinlagen und Binden aus Stoff genutzt, bis ich mir sicher war. Ich war tatsächlich so viel glücklicher als zuvor. Der Mülleimer im Bad ist seitdem fast leer, ich habe keinen Stress mehr, immer den Vorrat an Tampons oder Binden zu prüfen und, es ist so viel weniger Chemie an meinem Körper. 

Heute weiß ich, dass das Menstruationsblut nicht unrein ist, sondern das nährstoffreichste Blut unseres ganzen Körpers. Im Fall einer Schwangerschaft sind die Bestandteile des Menstruationsblutes genau das, was das kleine Wunder ernährt. Wie könnte das schlecht sein? 

Ich akzeptierte das Wunder meines Körpers als das, was es ist, ein Wunderwerk der Natur. Aber kann das wahr sein? Halten Alternativen aus Stoff und Menstruationstassen die Massen an Blut?

 Ja, denn durchschnittlich menstruieren wir etwa 50 - 80 ml Blut pro Zyklus. Ja, es gibt auch Frauen, die mehr bluten, aber auch diese Mengen kommen nicht auf einmal, sondern werden in Etappen von der Gebärmutter abgegeben. Eine Menstruationstasse fasst durchschnittlich zwischen 20 und 40 ml, das hält also eine ganze Weile. Noch weniger als die Menstruationstasse konnte ich mir Damenbinden aus Stoff vorstellen. Aber mein Ziel war es, den Müll zu reduzieren, außerdem fand ich es schon immer nervig, wie schwitzig es in so einer Damenbinde ist. 

Also ran an die Alternativen aus Stoff, optischen sehen sie aus, wie die Einwegvariante, nur oft sehr viel schicker, bunter, und die Oberfläche an der Haut fühlt sich doch sehr viel schöner an, als das Polyurethangemisch. Auch die Alternativen aus Stoff gibt es in verschiedenen Größen, Formen und Stärken. So sind die Slipeinlagen aus Stoff der ideale Begleiter, wenn wir uns den ganzen Tag frisch fühlen wollen oder nur noch eine leichte Blutung haben. Wenn mehr Saugstärke gefordert wird, sind die Binden am Zug. Genäht sind sie oft aus Baumwolle, aber manchmal kann auch noch Hanf oder Bambusviskose darin verarbeitet sein. Um die Kleidung vor Nässe zu schützen, haben viele Hersteller einen Nässeschutz aus atmungsaktivem Polyester, damit es nicht so schwitzig wird. Wenn es Zeit ist, zu wechseln, kann Zuhause die Binde mit lauwarmem Wasserausgespült werden und wartet dann im Wäschenetz auf seine Runde in der Waschmaschine. Nur noch trocknen und schon ist sie bereit für die nächste Runde. Und nach ein paar Monaten, rechnen sich die Kosten für die Anschaffung, denn bei guter Pflege bleiben die Alternativen aus Stoff nun für mehrere Jahre bei mir. 

Sogar im Wochenbett sind die Alternativen aus Stoff ein wirklich treuer Begleiter. Denn sie halten wirklich viel Flüssigkeit und das ganz ohne Kunststoffkügelchen und Chemie. Eventuell braucht es an den ersten Tagen nach der Geburt ein paar saugstärkere Binden, aber mir ist es das definitiv wert. Denn ich möchte mich, ob während der Menstruation oder im Wochenbett wohl fühlen und mein Leben genießen. Mit Stoffbinden und Menstruationstasse gelingt mir das nun zum Glück unabhängig davon, an welchem Punkt meines Zyklus ich gerade bin. 

Die Autorin Sarah Kaschel ist nicht nur Stoffwindel- und Trageberaterin, sondern auch Menstruationsberaterin. Daneben bildet sie interessierte Frauen zu Menstruationsberaterin aus, um so das Thema noch mehr aus der Taubzone zu holen.